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Sitzungsarchiv VG Velden

Viel Arbeit für die Kommune auf dem Veldener Friedhof

© Symbolfoto Fotolia Bilddatenbank
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An einem etwas ungewohnten Ort fand am Donnerstag der weitaus größte Teil der jüngsten Sitzung des Bauausschusses statt – auf dem Friedhof. Weil dieser von der Gemeinde unterhalten wird, geht es für den Markt dort weniger um Fragen der ewigen Ruhe, sondern mehr um bauliche und organisatorische Regelungen. Im Mittelpunkt der Ortsbesichtigung stand die Diskussion über die Frage, ob und wie man einen barrierefreien Wechsel vom oberen in den unteren Teil des Friedhofs realisieren kann. Falls dies umgesetzt werden würde, wäre es mit umfangreichen und wohl auch teuren Baumaßnahmen verbunden, das wurde am Donnerstag deutlich.

Der Veldener Friedhof weist insofern eine Besonderheit auf, als es dort zwei Leichenhäuser gibt – passend zu den beiden Teilen des Friedhofs: Ein oberer, älterer Teil und der neuere Teil, einige Meter tiefer gelegen. Verbunden sind diese beiden Friedhofsteile mit einer großen Freitreppe, innerhalb des Leichenhauses verbindet eine weitere Treppenanlage die beiden Gebäudeteile. „Jeder Friedhofsteil für sich gesehen verfügt über Parkmöglichkeiten und ist auch barrierefrei erreichbar“, machte Bürgermeister Ludwig Greimel die Sachlage am Donnerstag deutlich. „Nur wer von einem Friedhofsteil in den anderen will, muss Treppen gehen können.“ Die Anregung einer Barrierefreiheit zwischen den beiden Friedhofsteilen hatte Ruhestandspfarrer Gabriel Kreuzer bereits mehrfach auf Bürgerversammlungen vorgebracht.

Die Mitglieder des Bauausschusses machten sich ein Bild vor Ort, wie man eine solche Barrierefreiheit realisieren könnte. Aufgrund des Höhenunterschieds seien auf jeden Fall verhältnismäßig lange Rampen notwendig, weil die Steigung einer solchen Rampe maximal sechs Prozent betragen dürfe, informierte der Bürgermeister. Wolle man also dort, wo aktuell die Treppe nach oben führe, eine Rampe bauen, müsste diese insgesamt etwas mehr als 60 Meter lang sein, rechnete der Bürgermeister vor. Theoretisch könnte auch im hinteren Teil des neuen Friedhofs eine Rampe nach oben gebaut werden, wenn man die Mauer des oberen Friedhofsteils dafür öffne. Aber auch hier brauche man für eine Rampe zwischen den beiden Friedhofsteilen noch rund 25 Meter Strecke – trotz des insgesamt geringeren Höhenunterschieds. „Das wird ein Unikum von einem Bauwerk“, meinte Ludwig Greimel dazu. Obwohl noch keinerlei konkrete Pläne für eine entsprechende Baumaßnahme vorliegen, kursierten 100 000 Euro als Kostenvorstellung im Gremium, was man allgemein bei einer solchen Baumaßnahme für durchaus realistisch hielt.

Einen zusätzlichen Aspekt der Treppen- und Rampen-Problematik stellt die bei der Besichtigung ebenfalls festgestellte Notwendigkeit dar, die Freitreppe zwischen den Friedhofsteilen zu sanieren und umzubauen. „Die Treppe braucht laut den geltenden Vorschriften eigentlich ein Podest. Sonst würde jemand, der oben stolpert, bis unten hinunterfallen“, so der Bürgermeister. Es herrsche also Handlungsbedarf, zumindest mittelfristig – mit entsprechenden Kosten, wie Greimel erläuterte.

„Prinzipiell stellt sich sowieso die Frage, ob jemand die Möglichkeit zum barrierefreien Wechsel zwischen den Friedhofsteilen wirklich dringend braucht“, machte Bürgermeister Ludwig Greimel gewisse Zweifel in dieser Hinsicht geltend. In der Diskussion brachte Markträtin Maria Fischer (FW) als Friedhofsreferentin des Marktgemeinderates den Gedanken ein, ob man nicht die Rampe im hinteren Friedhofsteil als alleinigen Aufgang bauen könnte und die umbaubedürftige Treppenanlage dann entfallen könnte. Diesbezüglich gab es im Gremium einerseits Zweifel wegen der Kosten, andererseits wies Bürgermeister Greimel darauf hin, dass man dann vom Eingang des unteren Friedhofsteils relativ weit nach hinten müsse, um den Aufgang zum oberen Teil zu erreichen.

Einig war man sich im Ausschuss schließlich dahingehend, die bestehende Treppe zunächst mit einem Podest zu überplanen, um eine Vorstellung von den Kosten zu bekommen. Ebenfalls eine vorläufige Planung will man für einen Urnenraum im Nebengebäude des alten (oberen) Leichenhaus anstoßen. Den Anlass dafür stellt die steigende Zahl von Urnenbestattungen in der Gemeinde dar, 60 Prozent sind es mittlerweile. Dadurch ist der bisher in einem kleinen Gebäude am Eck des oberen Friedhofsteils vorhandene Platz für Urnengräber erschöpft. Außerdem entstehen durch Wegfall alter Gräber, ohne dass dieses neu belegt werden, immer mehr Lücken im Friedhof. Platz für neue Urnenbestattungen soll also im Leichenhaus-Nebenraum geschaffen werden, außerdem durch die Anschaffung von speziellen Urnen-Grabstellen. Diese bestehen aus einem runden Metall-Unterbau, der in zehn oder zwölf Segmente für jeweils eine Urnenbestattung unterteilt ist, in der Mitte ist Platz für ein steinernes Monument. Mit dieser Lösung konnte man sich allgemein anfreunden, die Anschaffung von zunächst einem solchen Urnen-Sammelgrab wurde beschlossen.

Zustimmung gab es vom Bauausschuss auch für die künftige Möglichkeit von Baum- beziehungsweise Naturbestattungen auf einem mit mehreren Bäumen bewachsenen Areal im hinteren Teil des neuen Friedhofes. Dort wird es dann keine klassischen Gräber geben, sondern nur kleine Grabstellen ohne Schmuck und lediglich mit einer Namenskennzeichnung, falls das gewünscht wird.

Quelle: Vilsbiburger Zeitung – Lokalteil Velden vom 23. Juni 2018

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