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Sitzungsarchiv VG Velden

Grundsätzliche Überlegungen zur Kläranlage

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Größere Investitionen stehen der Marktgemeinde in der kommunalen Kläranlage bevor, das wurde auf der jüngsten Sitzung des Gemeinderates am vergangenen Donnerstag deutlich. Um mit der steigenden Einwohnerzahl Schritt halten zu können, muss die Kläranlage um- und ausgebaut werden. Dazu wurden den Räten drei Varianten mit jeweils unterschiedlichen Technologien und Kosten vorgestellt. Vor allem wurde dabei die Frage diskutiert, ob sich die Produktion von Strom aus Klärschlamm für Velden rentiert.

Für die Infrastruktur und die Ökologie einer Gemeinde ist eine Kläranlage unverzichtbar, auch wenn man sich vielleicht als Bürger lieber fernhält von dem immer etwas müffelnden Ort. Dennoch wird die Gemeinde nicht drumherum kommen, in den kommenden Jahren einige Millionen Euro aus den Abwassergebühren der Bürger in den Ausbau der örtlichen Kläranlage zu investieren, wie am Donnerstag Thomas Neumayer vom Ingenieurbüro Ferstl aus Landshut deutlich machte. Seinen Worten nach sei die Betriebserlaubnis der aktuellen Kläranlage noch bis 2025 gültig, eine Verlängerung werde es jedoch ohne vorherigen Umbau nicht geben. Konkret sei künftig eine Phosphatfällung in der Anlage notwendig, auch die bisher praktizierte landwirtschaftliche Verwertung des Klärschlamms sei nicht mehr zukunftsfähig. Auch die gegenwärtig vorhandene Kapazität der Kläranlage sei nicht mehr ausreichend für das prognostizierte Wachstum der Marktgemeinde und die weitere abwassertechnische Entwicklung: Werde nämlich wie geplant das Abwasser aus den Anlagen in Niederbayerbach und Neufraunhofen in Velden gereinigt, habe man keinerlei Entwicklungsreserven mehr, wurde gewarnt. Um den künftigen Abwasser-Herausforderungen zu begegnen, stellte der Planer drei grundlegende Varianten vor, wie man die Veldener Kläranlage für die nächsten Jahrzehnte wieder zukunftssicher machen könnte. Die Unterschiede der drei Ausbau-Szenarien bestehen zum einen in der damit zu versorgenden Einwohnerzahl, diese liegt zwischen 10 000 und 12 000 Personen, zum anderen im der verwendeten Technologie auf der Kläranlage selbst, vor allem bezüglich der Stromproduktion durch Vergärung von Klärschlamm. Wie Thomas Neumayer ausführte, seien ganz unabhängig von der angestrebten Ausbauvariante einige Investitionen notwendig, unter anderem in eine Fettfang-Einrichtung, eine Phosphatfällung und eine mechanische Entwässerung des Klärschlamms. Dessen Rest würde nämlich nach einem Kläranlagen-Umbau zur Verbrennung gefahren. „Und je weniger Wasser diese Restmenge enthält, umso wirtschaftlicher wird das“, machte der Planer klar. Auf rund 870.000 Euro summieren sich diese Fixkosten.

Vorklärung oder nicht?

Die grundsätzliche Frage lautete am Donnerstag, ob man in der Marktgemeinde eine Vorklärung des Abwassers samt angeschlossener Möglichkeit der Stromproduktion aus Klärschlamm anstrebt oder nicht. Die kleinste Ausbauvariante für die Kläranlage auf einen Wert von 10 000 Einwohnern samt Vorklärung und der Möglichkeit, Strom aus den bei der Vorklärung aus dem Wasser gefilterten Stoffen zu gewinnen, taxierte Neumayer auf 3,472 Millionen Euro. Für die beiden Varianten mit einer veränderten Technik zur Abwasserreinigung und einer Ausrichtung auf 12 000 Einwohnerwerte (eine rechnerische Größe, die beispielsweise auch das erhöhte Abwasseraufkommen örtlicher Industriebetriebe berücksichtigt) kalkulierte der Fachmann entweder 4,093 Millionen Euro (mit Vorklärung) oder 2,990 Millionen (ohne Vorklärung).

Zwar seien laut den fachlichen Berechnungen die Ausbau-Varianten mit Vorklärung durch die Möglichkeit, Strom direkt in der Anlage zu produzieren, bei den Betriebskosten ein wenig im Vorteil, wie Diagramme des Planers auswiesen, allerdings stünde dem laut Thomas Neumayer ein erhöhter Personalbedarf entgegen, und die Kostenunterschiede zeigten sich auch bei Hochrechnung auf einen 50-Jahres- Zeitraum als keineswegs dramatisch. Auch wenn für die Ausbau- Varianten 2 und 3 neue Becken gebraucht würden, sei die Baugröße dabei insgesamt flexibel erweiterbar als Option für die Zukunft, wurden die Räte informiert. In der anschließenden Beratung machte Bürgermeister Ludwig Greimel deutlich, dass Velden schon innerhalb der nächsten 20 Jahre die Grenze der 10 000 Einwohnerwerte erreiche, wenn die Entwicklung so weiterlaufe wie bisher. Entsprechend plädierte er dafür, auf die größeren Varianten zu setzen und vor einer Entscheidung über Vorklärung oder nicht noch derartige Einrichtungen zu besichtigen. Die Frage sei nämlich, ob die Vorklärung und Verstromung schon funktioniere, wenn eine größere Anlage mit nur einem Teil der vollen Kapazität betrieben werde. Marktrat Johann Reiter sah Vorteile in einer Variante mit geringerem Personalbedarf. Jakob Oßner wies wie auch zuvor den Bürgermeister darauf hin, dass  man die Effizienz der möglichen Stromproduktion untersuchen müsse. Im Rat kam man vorerst formlos überein, generell die größere Anlagenvariante anzustreben und ansonsten noch weitere Informationen über die Vorklärungs-Technik zu sammeln.

Quelle: Vilsbiburger Zeitung

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